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10. Juni 2026

Mutterwerden beginnt nicht erst mit der Geburt

Die Bilder die wir in uns tragen

Wenn ich mich an meine eigene Schwangerschaft erinnere, hatte ich ein ziemlich klares Bild davon, wie das später mit meinem Baby sein würde. Irgendwie war ich überzeugt, dass ich schon wissen würde, was es braucht. Dass ich es trösten können würde. Dass sich das Muttersein ganz natürlich einstellen würde, sobald mein Baby da ist.

Woher dieses Bild kam, weiß ich heute gar nicht mehr. Vielleicht aus meiner eigenen Geschichte. Vielleicht aus Büchern, Filmen oder den Frauen um mich herum. Vielleicht aus all den Bildern, die wir unbewusst in uns tragen. Denn ich glaube, wir alle wachsen mit Vorstellungen darüber auf, wie wir einmal als Mutter sein werden.

Die fürsorgliche Mutter.
Die entspannte Mutter.
Die starke Mutter.
Die bedürfnisorientierte Mutter.
Die unkonventionelle Mutter.

Und oft gibt es irgendwo in uns auch eine Vorstellung davon, wie sich Muttersein anfühlen sollte. Doch zum Glück hält sich unser Leben selten an unsere Bilder.

Wenn die Realität anders aussieht

In meinen Begleitungen begegnen mir immer wieder Frauen, die glauben, mit ihnen stimme etwas nicht.

Weil sie sich noch gar nicht wie eine Mutter fühlen.

Weil sie manchmal vergessen, dass sie schwanger sind.

Weil sie Angst haben.

Weil sie sich nicht freuen können, obwohl sie sich so sehr ein Kind gewünscht haben.

Weil sie ihr Baby noch nicht spüren.

Oder weil sie sich ihm schon lange verbunden fühlen, obwohl es noch gar nicht in ihrem Bauch gewachsen ist.

Wer bestimmt eigentlich, wann Mutterwerden beginnt? Ist man mit der Geburt eine Mutter? Ich denke schon viel früher.

Mutterwerden ist ein Prozess

Heute wissen wir zum Glück viel über die Muttertät und darüber, wie tiefgreifend sich das Gehirn einer Frau bereits in der Schwangerschaft verändert. Wir wissen, dass dieser Prozess nicht mit der Geburt abgeschlossen ist, sondern noch lange weitergeht. Dieses Wissen kann entlasten. Weil wir uns dann besser verstehen können. Weil es uns zeigt, dass Mutterwerden kein Ereignis ist, sondern ein Prozess.

Ein Weg. Und vielleicht beginnt dieser Weg genau dort, wo wir anfangen, uns zuzuwenden.

Dem Wunsch nach einem Kind.

Den Hoffnungen, den Bildern, den Ängsten und den Fragen.

Dem kleinen Wesen. Unserem Baby.

Die Geschichte, die wir mitbringen

Was mich berührt: Ich glaube, das Babys oft eine Geschichte mitbringen. Nicht nur ihre eigene. Sondern ein bisschen auch unsere. Indem sie uns erinnern: Sie erinnern uns an unser eigenes Kindsein. An unsere Erfahrungen. An die Beziehung zu unserer Mutter. An alte Wunden und alte Sehnsüchte.

Und gleichzeitig kommt jetzt zum ersten Mal die andere Seite dazu. Die Seite der Mutter. Und mit ihr tauchen neue Fragen auf:

Werde ich eine gute Mutter sein?

Wie kann ich eine Mutter sein, wenn ich doch selbst überhaupt nicht weiß wie es geht?

Darf ich jetzt noch Angst haben?

Was, wenn ich mich jetzt doch nicht mehr bereit fühle?

Vielleicht ist genau das bereits Mutterwerden

Und weißt Du was? Vielleicht ist genau das bereits Mutterwerden. Nicht das Wissen und die Sicherheit und nicht die tiefe Liebe. Sondern dieses ehrliche Sich-Zuwenden. Deinen Gefühlen und Deinem Baby.

Mutterwerden beginnt nicht erst mit der Geburt.

Und es endet dort auch nicht.

Es ist der Weg, den Du gemeinsam mit Deinem Baby gehst. Es ist eure Geschichte. Und vielleicht darfst Du Dir unterwegs immer wieder erlauben, liebevoll auf Dich zu schauen. Nicht darauf, wie eine Mutter sein sollte. Sondern darauf, wie Du gerade bist.

Denn Du bist kein Bild. Du bist ein Mensch. Und genau dort wird es echt.

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