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9. Juni 2026

Zwischen den Welten

Schwangerschaft als Zeit des Übergangs und Mutterwerdens

Wenn ein Kind in dir wächst, beginnt nicht nur neues Leben – es endet auch etwas. Schwangerschaft ist nicht nur Ankunft, sie ist Übergang. Ein Schwebezustand. Zwischen dem, was war, und dem, was kommt.

Ich glaube viele Frauen erleben diese Zeit als widersprüchlich: körperlich verändert sich alles – aber innerlich fühlt sich das Muttersein oft noch fern an.  Die Welt um dich herum will jetzt vielleicht Pläne, Entscheidungen, Vorbereitungen. Aber vielleicht würdest du auch gerne einmal kurz die Pause-Taste drücken. Bewusst Abschied nehmen von dem Ich, das du einmal warst.

Dein Körper wird zur Mutter, bevor du es begreifst

Mit der Schwangerschaft bist du plötzlich nicht mehr nur ich. Aber oft auch noch kein wir. In deinem Gefühl vielleicht noch keine „richtige Mutter“, wie auch immer die sein mag.
In deinem Körper wächst ein Baby. Und die Prozesse, die damit beginnen, sind nicht bewusst gesteuert. Es ist, als ob dein Körper von Anfang an mehr weiß als dein Verstand.
Als wüsste er genau, was zu tun ist.
Dein Körper wird zur Mutter, bevor dein Kopf es ganz erfassen kann.
Er verändert sich, wölbt sich in eine neue Zeit hinein.

Das Nicht-Mutter-Sein geht – in Wellen

Und das Nicht-Mutter-Sein geht – nicht mit einem Peng, sondern vielleicht in Wellen. Ein Stück geht. Dann wieder kehrt es zurück. Immer wieder, bis es ganz verschwunden ist.

Viele Frauen nehmen sich nicht die Zeit, sich bewusst von dem Teil in ihnen zu verabschieden, der geht. Das ist auch manchmal schwer wenn all die anderen Fragen so laut sind:
Wie groß ist das Baby gerade? Wo möchte ich gebären? Tragetuch oder Kinderwagen? Will ich abhalten? Und wie sage ich das meinem Arbeitgeber? Wie funktioniert das eigentlich mit dem Elterngeld? All das ist wichtig – und richtig.
Und doch: Auch der Abschied vom Nicht-Mutter-Sein verdient einen Moment. Du verdienst diesen Moment.

Ein Moment für dich

Es ändert nichts am Prozess, ändert nichts daran, dass du vielleicht traurig bist, weil ein Teil von dir geht und nicht zurückkommt. Oder dass du Angst hast – vor dem, was du noch nicht kennst. Aber das Bewusstwerden ermöglicht Achtsamkeit.
Achtsamkeit mit deinen Tränen.
Mit deinem Glück.
Mit deiner Angst.
Mit deinem Werden.

Ich nehme Abschied vom Nicht-Mutter-Sein.
Auch wenn ich mich noch nicht als Mutter fühle.
Noch irgendwo dazwischen bin. In der Schwebe – zwischen den Welten. Und manchmal hilft es, diesem Übergang bewusst Raum zu geben.

Ein Moment, in dem du innehältst, um Deinem Nicht-Mutter-Sein zu danken und dich davon zu verabschieden.
Vielleicht mit einem Brief oder einem Bad. Ein Blessingway.
Einem kleinen Ritual, indem Du es spüren kannst: Ich sehe dich. Ich lasse dich jetzt gehen.
Für andere ist es ein Gespräch, ein Abschiedsspaziergang, irgendetwas, das ganz persönlich ist. 

Auch in der Bindungsanalyse, ist genau dafür Raum.
Es gibt keinen richtigen Weg. Es gibt nur deinen.

Zwischen den Welten – gemeinsam mit deinem Baby

Und da ist noch jemand,
der mit dir zwischen den Welten schwebt: dein Baby. Ihr seid dort gemeinsam. Gemeinsam auf dieser Reise und verbunden im Schwebezustand.

Ich bin nicht mehr die, die ich war.
Und noch nicht die, die ich werde.
Ich bin Entstehung. Verwandlung. Formwerdung. Genau wie mein Kind.

Und auch nach der Geburt wird es damit weitergehen – das Mutterwerden. Denn die Muttertät endet nicht mir der Geburt. Nicht auf einen Schlag, sondern Stück für Stück, im Hormonrauschen, in nächtlichen Wachphasen, in stillen Momenten, im Neubau des Denkens. Viel dieser Veränderungen reichen tief. Eine Entwicklung, die manchmal erst Jahre später ihren Kreis schließt.

Du wächst immer weiter in Dein Mutterwerden hinein.
Auch wenn alles andere längst begonnen hat. Und vielleicht darfst Du Dir dafür einfach die Zeit nehmen die ihr gerade braucht.

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